Der Taunus

Von den Höhen Frankfurts, dem Maintower und anderen Towern sieht man den Taunus als schmale dunkle Silhouette, die sich am Horizont entlang zieht und den Blick auf das versperrt, was dahinter liegt. Ich stelle mir dann gerne vor, wie ich reagiert hätte, wenn ich vor 2000 Jahre als Siedler an den Main gekommen wäre und immer wieder auf die dunklen Höhen am Horizont geblickt hätte. Ich bin ein neugieriger Mann und könnte mir gut vorstellen, dass ich mich damals auf den Weg gemacht hätte, zu schauen, was da hinter den Bergen ist.

Blick von Nord nach Süd über den Hintertaunus. In der Mitte der Große Feldberg

Ich hätte damals den Weg über die Römerstraße hoch zur Saalburg genommen, hätte den Limes an einer Kontrollstelle gequert und wäre dann in ein durchaus zivilisiertes Gebiet gekommen. Dort wäre ich auf Kelten getroffen, die nach Erz gegraben hätten und Eisenerz, Kupfer, Silber und Blei zu allerlei brauchbaren Gegenständen und schmückenden Kreationen geschmiedet hätten und deren Siedlungen untereinander in hohem Maße vernetzt waren. Also nichts von wegen pure Wildnis. Da hätte ich ein paar tausend Jahre früher unterwegs ein müssen.

Kein Mensch weiß so recht, woher der Name Taunus kommt. Erwähnt wird er erstmals in den Annalen des Tacitus, der von einem ‚castello in monte tauno‘ berichtete. Das ‚tauno‘ geht vermutlich auf das keltische ‚downs-=Hügel‘ zurück. Sei es wie es will. Der Name Tauno geriet in Vergessenheit, bis ein paar kluge Bürger, die Tacitus lesen und verstehen konnten, vor etwa 200 Jahren in seinen Schriften auf das Wort Tauno stießen und das Mittelgebirge fortan als Taunus bezeichneten. Bis dahin begnügten sich die Einheimischen mit der Bezeichnung ‚die Höhe‘. Der Zusatz steckt heute noch in einigen Städtenamen: Bad Homburg vor der Höhe, …